
Da ist sie wieder, diese verzehrende Angst, die mich langsam von innen nach aussen zu zerfressen droht. Sie kommt langsam und das macht sie so gefaehrlich. Du spuerst, wie sie sich durch deinen Koerper frisst, dein Denken bestimmt und dich zu einem grausamen Menschen macht. Diese Angst vergiftet deinen Geist, pflanzt Gedanken hinein, die allem und jedem ein Leid zufuegen wollen, die dir eigentlich etwas bedeuten. Sie will diesen Menschen wehtun, so wie sie dir wehtun, unbewusst, oder bewusst, sei dahingestellt. Es interessiert sie nicht, diese Angst. Sie naehrt sich von deinem egoistischen Wesen, deinem Willen, alles kontrollieren, nichts verpassen zu wollen. Fest nistet sie in dir, saugt sich in dir fest, ohne das du dich von ihr loesen kannst.
Vergessen. Vergiss mein nicht. Vergessen. Das ist die Angst. Vergessen werden. Unwichtig sein. Nicht mehr ein elementarer Bestandteil eines anderen Lebens zu sein. Der Grund ist einfach: Egoismus. Du handelst egoistisch, laesst alles zurueck, was dir je etwas bedeutet hat und fragst dich dann auch noch: Warum? Hah. Wie dumm von dir zu glauben, sie koennten ihr Leben nicht ohne dich leben. "Ich werde immer an dich denken" Natuerlich. "Ich werde dich so schrecklich vermissen" Sicherlich. Und dann sind drei Monate um und diese Luecke, die ihr nie zu fuellen glaubet, ist besetzt. Du kommst nach Hause und stehst hinten an. Deinen Platz, hat jemand eingenommen. Warum auch nicht. Du kannst ihm keine Vorwuerfe machen. Er war DA. Er war NICHT am anderen Ende der Welt. Er KONNTE an ihrem Leben teilnehmen. DU nicht. Du WARST 20.000 Kilometer entfernt. Es sollte dich nicht wundern. Warum sollte sie dir von ihren Problemen, ihren Gefuehlen, ihren Aengsten, ihren Erlebnissen berichten, wenn sie jemanden an ihrer Seite haben, die es erleben koennen? Nein. Du kannst ihnen keine Vorwuerfe machen.
Doch du sitzt Tag fuer Tag auf deinem Bett, deine Gedanken schweifen zu diesen beiden besonderen Menschen und du fragst dich: was tun sie? Sind sie gluecklich? Lachen sie? Weinen sie? Du wirst darauf keine Antwort bekommen. Eine Nachricht zu schreiben, ist ein viel zu anonymer Weg, mit jemandem sein Leben zu teilen. Sieh es ein. Du bist nicht mehr Teil dieses Lebens. Deinen Platz werden unweigerlich andere Menschen einnehmen. Deine Eifersucht, deine Missgunst, deine Wut, sind voellig unangebracht. Lass dich nur weiter von deiner Angst verspotten. Wie ein Blatt Papier in einem Buch, wirst du ins Regal gestellt. Eine Weile noch, betrachten sie dich andaechtig. Doch sie werden immer seltener kommen. Die Tage werden laenger, das Licht matter. Und du vergilbst, nur noch eine blasse Erinnerung, an vergangene Tage . . .
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